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Forschungsprojekt ISIG: "Der Übergang als historiographisches Problem"

Gegenstand des Forschungsvorhabens des Instituts sind historische Passagen; es soll untersucht werden, wie sich diejenigen "kulturellen“ Paradigmen auflösen und rekonstruieren, die es dem Einzelnen und politischen Gemeinschaften erlauben, historische Entwicklungen zu verstehen und zu beherrschen.

So gesehen verkörpert "Kultur“ begrifflich verschiedene Phänomene, die von intellektuellen Elaboraten bis hin zu kommunikativen Erfahrungen reichen, zu spontanen oder von „Erziehungs-“ Elementen disziplinierten Konstrukten, zur Entwicklung von Instrumenten zur Kontrolle des öffentlichen Raums und der institutionellen Strukturen, die ihm vorstehen.

Der in Betracht gezogene Zeitraum reicht von den Italienischen Kriegen (1494) bis zu der Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts einsetzenden Perzeptionen radikaler Veränderungen. Die Arbeiten konzentrieren sich in der Hauptsache auf drei Phasen. Die erste befasst sich mit dem Zeitraum, der von den Italienkriegen (1464) bis zum Abschluss des Konzils von Trient (1563) reicht, als das Paradigma der "Renaissance“ infolge des endgültigen Zerfalls der res publica christiana durch das Entstehen selbst-regulatorischer politischer Machtsphären, die sich einer externen Beurteilung entzogen, und der konfessionellen Spaltung des westlichen Christentums langsam eine neue Gestalt annehmen musste.

Die zweite Phase behandelt den Übergang von der Krise des post-tridentinischen politischen Systems, zu der die Aufklärung zwar den Anstoß gab, aber ohne sie zu steuern (1763), bis zur teilweisen Restauration einer rationalisierten neuen Ordnung, die nach dem Fehlschlag der großen 48er Revolutionswelle entstand.

Die dritte Phase, auf die wir unser Augenmerk richten, betrifft den Zeitraum zwischen 1945 und 1973. Auch in diesem Fall geht es um einen Stabilisierungsprozess, der auf den ersten Blich schwer als Transition zu definieren ist. Dennoch ist das, was in diesen 30 Jahren entsteht, eine "auflösende“ Stabilisierung: die aus dem letzten „Weltkrieg“ hervorgegangene Ordnung, von der man annehmen möchte, sie sei eine dauerhafte, steht nicht nur auf dem wackeligen Fundament eines Wettstreites der konkurrierenden Paradigmen "liberal“ und "sozialistisch“ im inneren der "Demokratie“, sondern sie ist auch den sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen der affluent society nicht gewachsen.

Mit der Untersuchung dieses langangelegten Zeitraumes wird das Historikerteam aus (deren Lebensläufe auf den folgenden Seiten eingesehen werden können) die Konstruktion seines interpretativen Idealtyps der "historischen Transition“ versuchen. Diese Arbeit wird sich jedoch nicht auf eine einfache Reflexion allgemein interpretativer Art stützen, sondern wird auf einer Reihe punktueller Analysen in Form von case studies (die unten eingesehen werden können) der einzelnen wissenschaftlichen Mitarbeiter gründen.

Ein doppeltes Ergebnis soll das Ende der Arbeiten beschließen: eine Reihe von Monografien und ein Band, der die Überlegungen zur möglichen Konstruktion eines idealen "Passagentypus“ sammeln und allgemein zugänglich machen wird.

Innerhalb des Passagenprojekts wird jeder Wissenschaftler an einem spezifischen Projekt arbeiten.

Date: 
Saturday, January 1, 2011 bis Tuesday, December 31, 2013